03 Oktober 2012

 
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hamburg
 

Verehrte Freunde des Unterirdischen,

der Sommer hat leider seinen Namen nicht verdient und der Herbst naht.

Wir möchten Sie an dieser Stelle mal wieder über die unterirdischen

Aktivitäten in Deutschlands Norden informieren.

Seit unserem letzten Newsletter gaben zwei Röhrenbunker ihre spärlichen

Geheimnisse preis, ein Hochbunker mußte weichen, der Flakturm Wilhelmsburg zeigt sich

nun in seinem zukünftigen Erscheinungsbild und in Flensburg konnten wir Rundgänge

durch eine sehr gut erhaltene, soenannte Mehrzweckanlage anbieten.

 

Röhrenbunker Tornquiststraße - für wenige Tage offen

Wegen diverser Umgestaltungen im Außenbereich der Schule Tornquiststraße

wurden die seit langem abgedeckten Eingangsbereiche von zwei alten

Röhrenbunkern geöffnet. Da über die beiden Bauwerke kaum Informationen vorlagen,

sollten sie neu vermessen werden. Die Statik musste überprüft werden,

zwei Schulgebäude stehen seit rund 50 Jahren direkt auf den Bunkern.

Diese Maßnahme war getroffen worden weil Bunkerbauwerke seit Beginn der

60er-Jahre gesetzlich unter Schutz gestellt waren und während des

Baus der Schule nicht abgerissen werden durften.

 

Tornquiststraße 1

 

Tornquiststraße 2

 

Aufnahmen: Timo Schiel

 

 

Röhrenbunker Am Brunnenhof - mit dem Auto in den Bunker ?

Unter einem Hinterhof in St.Pauli befindet sich ein alter Röhrenbunker.

Wegen der Enge im Stadtteil und der damit verbundenen Parkplatznot,

wurde die Oberfläche des Bunkers als Parkplatz umgewidmet.

An der Stelle der ehemaligen Treppenabgänge gab nun,

unter der Last eines Autoreifens, die Abdeckung nach.

Diese war nur aus einer dünnen Schicht Zement und Asphalt und

somit bestandt Handlungsbedarf !

Mitarbeiter der Abteilung Katastrophenschutz des Bezirkes Hamburg-Mitte

überprüften das Bauwerk auf seine Wiederverwendbarkeit und kamen

zu dem Entschluß, dass die Bedrohungslage Deutschlands sich

grundsätzlich verändert hat, Anspruch auf diesen Bunker wurde deshalb nicht

mehr erhoben. Nach einer gründlichen Dokumentation durch Mitglieder unseres

Vereins wurde das Bauwerk wieder verschlossen.

 

Brunnenhof 1

 

Brunnenhof 2

 

Aufnahmen: Timo Schiel

 

 

Hochbunker Wiesingerweg - noch ein Betonklotz weniger

Jahrelang war er hinter einer Verblendung aus weißem Wellblech versteckt, die nahe

Lage zu den ansehnlichen Bauten der Firma Beierdorf machte dies nötig.

Nun fuhren die Rückbauspezialisten der Firma Ehlert mit ihren Großbaggern an

und begannen den Rückbau vom Dach an. Dazu mußte einer der Bagger mittels

eines Krans auf das Dach gehoben werden.

Vorangegangen war eine sorgsame Demontage belasteter Materialien aus

dem Inneren des Bunkers. Beim Bau und bei der Nachnutzung des Bunkers nach

dem Kriege wurden die damals üblichen Materialien verbaut, Asbest gehörte auch dazu.

Während unseres Besuchs konnten wir noch umfangreiche Spuren fotografisch dokumentieren -

die Lüftungsanlagen, einige Wandbilder und eine umfangreiche elektrische Verteilung waren

vorhanden. Aus der Nachkriegszeit lagen einige Papiere des Technischen Hilfswerks

im Bunker, dieses hatte hier einen Sitz seiner örtlichen Gruppe.

 

Wiesingerweg 1

 

Wiesingerweg 2

 

Aufnahmen: Timo Schiel

 

Flakturm Wilhelmsburg - der Bunker sieht aus wie neu

Nach monatelanger Bauzeit im Inneren und Äußeren des Bunkers ist das

Bauwerk nicht mehr wiederzuerkennen - von der Größe einmal abgesehen.

Der gesamte Bunker wurde äußerlich mit einer ca. 15 cm dicken Schicht aus Spritzbeton überzogen.

Entgegen ursprünglicher Planungen wurde selbst der Bereich der Flakbettungen komplett

saniert und versiegelt. Zur Ableitung des Regenwassers wurde im Dachbereich eine

neue Oberflächendrainage verlegt. Im Innenbereich ist der Fundamentsockel für

den Heißwasserspeicher fertiggestellt worden und die Betonarbeiten für

ein neues Treppenhaus haben begonnen.

 

Flakturm

 

Aufnahme: Timo Schiel

 

Mehrzweckanlage Flensburg - eine Garage mit Doppelfunktion

Obwohl Schleswig-Holstein während der Kalten Krieges nur unterschiedlich

gut mit Bunkern versorgt war, gibt es doch einige sehr interessante Objekte

im nördlichsten Bundesland. Flensburg wurde, dank des Marinestandortes,

im Zweiten Weltkrieg umfangreich verbunkert. Trotzdem standen

während der Zeit des Kalten Krieges nur zwei Großbauwerke für die Bevölkerung zur Verfügung. Ein besonderes Augenmerk verdient der Schutzraum in der untersten Ebene der Rathausgarage.

Nahezu baugleich mit der MZA-Garage Drosselstraße in Hamburg-Barmbek, befindet sich die Flensburger Anlage in einem sehr gepflegten und vollständigen Zustand. Lediglich die Brunnenanlage machte Probleme und deshalb sind einige Bereiche durch eisenhaltiges Grundwasser verschmutzt worden.

Zusammen mit dem Regierungsbunker Lindewitt konnten wir diese MZA

an einem Rundgangswochenende zeigen.

 

MZA

 

Aufnahme: Timo Schiel

 

Hochbunker Eilbeker Weg 126 - die letzten Rundgänge

Im Bezirk Wandsbek ging die Abwicklung der Zivilschutzbunker am schnellsten voran,

die geringe Menge ab Bauwerken und einem fleißigen Mitarbeiter des Katastrophenschutzes

sei Dank. Da fast alle Bunker im Bundesbesitz waren, ging auch dort die Vermarktung

am schnellsten und die meisten Bunker haben bereits einen neuen Besitzer.

Der Hochbunker Eilbeker Weg 126 wurde von einem Bremer Architektenbüro gekauft

und soll noch in diesem Jahr zu Wohnraum umgebaut werden. Netterweise wurde

uns der Bunker für einige Rundgänge zur Verfügung gestellt.

Auf vier vollkommen ausgebuchten Rundgängen wurde den interessierten Besuchern

gezeigt wie aus einem Bunker des Zweiten Weltkrieges eine Zivilschutzanlage des

Kalten Krieges wurde und auch der Rückbau selbiger zu zivilem Wohnraum wurde thematisiert.

 

Tag des offenen Denkmals 2012

Ein weitere Mal gingen in diesem Jahr die Türen des sogenannten Pesthofkellers auf, knapp 500 Personen wollten sich über den Mythos des Pesthofes informieren. Anfänglich ließ das Wetter eine eher geringe Besucherbeteiligung erahnen, ab mittags war der Ansturm dann wieder wie im letzten Jahr.

Eine traurige Mitteilung erreichte uns drei Wochen vor Beginn des Denkmaltages

von der Friedhofsverwaltung. Durch den jahrelangen Sanierungsrückstau beginnt

nun leider das Riedemann-Mausoleum zu zerfallen und die Öffnung zum

Denkmaltag konnte nicht stattfinden, das Unfallrisiko wäre zu hoch gewesen.

 

TdoD

 

Aufnahme: Timo Schiel

 

Die nächsten Führungen:

 

  • Nächste Führungen durch den Tiefbunker am Berliner Tor

    Sa., 27.10.2012, 24.11.2012 und 29.12.2012 um 12:00 Uhr mehr...

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