22 Dezember 2016

 
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Verehrte Freunde des Unterirdischen,

lange haben Sie auf diesen Newsletter warten müssen, viele fragten schon danach. Wie es immer so ist, einer muss ihn auch schreiben und das ist in ehrenamtlicher Tätigkeit manchmal nicht so einfach und schnell gemacht, wir wollen sie natürlich auch nicht mit ollen Kamellen oder besser gesagt alten Geschichten langweilen.

Fraglos lag und liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit bei den Bunkern, trotz erheblicher Menge dieser Bauwerke ist die Zahl rückläufig, steigende Grundstückspreise und eine „Nachverdichtung“ unserer Stadt lenken den Blick auf bisher brach liegende Grundstücke bzw. aus Bundeseigentum veräußerte ehemalige Objekte des Zivilschutzes.

So ganz nebenbei konnten wir auch noch Forschungsergebnisse erzielen, an die wir zu Beginn des Jahres noch nicht zu glauben wagten.

Als kröhnender Abschluss stand dann noch unser Vereinsjubiläum für das Jahr 2016. Im Januar 2006 versammelten sich historisch interessierte Kollegen zur Vereinsgründung, als erster Verein haben wir uns um die Aufarbeitung der Geschichte des Kalten Krieges gekümmert, der dann im Juni angemietete Bunker Berliner Tor, heute unter Denkmalschutz, bildete das erste Transportmittel für die Forschungsergebnisse und Vorträge unseres Kollegiums.

 

Und einen Wermuthstropfen gibt es leider noch zu schlucken: Die Rundgänge am 23. und 30.12. müssen aus Krankheitsgründen leider ausfallen !

 

 

Marschnerstraße ein 2-Röhrenbunker verschwindet

Es begann mit einem Anruf in unserem Vereinsbüro. Ein freundlicher Mitarbeiter des zuständigen Bezirksamtes fragte, ob wir an einer Erforschung bzw. einem letzten Blick in den alten Röhrenbunker interessiert seien.

Im Zuge der Auflösung des ehemaligen Firmengeländes der Firma Dello, zwischen Holsteinischem Kamp und Gluckstraße gelegen, wurden auch öffentliche Flächen überprüft und für den Wohnungsbau freigemacht. Das Spiel- und Bolzplatzgelände an der Marschnerstraße liegt direkt daneben und ein Teil des Platzes wurde für eine neue Erschließungsstraße benötigt. Dafür sollte der Bunker abgerissen, der Bolzplatz aufgelöst und der Spielplatz verkleinert und modernisiert werden. Netterweise wurde uns der Schlüssel für den Bunker ein paar Tage überlassen und wir konnten tätig werden.

Eine Bilderstrecke zum Bunker und seinem Umfeld finden Sie hier: mehr...

 

 

Kaiser-Friedrich-Ufer 30 - noch ein Bunker weniger

Lange Zeit war der Bereich um den Bahnhof Hoheluft eine echte Schmuddelecke, wild abgekippter Müll und die Hinterlassenschaften alkoholisch ernährter Menschen füllten die Ecken und Brachflächen neben dem Bahnhof, gekrönt von einer amerikanischen Fast-Food-Kette in einem maroden Provisorium der Nachkriegs-Moderne. Auch dieser Platz sollte durch Wohnungsbau aufgewertet und genutzt werden. Der zukünftige Bauherr wandte sich an uns, weil auf dem Gelände ein alter Röhrenbunker lag. Von Interesse war der materielle Zustand und die Dimensionen des Bauwerkes, die Abrisskosten sollten ermittelt werden. Als das Bauwerk geöffnet war, trafen wir auf die typische Vermüllung, alte Bekleidungsstücke, Firmenschilder, Schrott und ein VW-Käfer-Motor präsentierten sich den Objektiven der unter-hamburg-Dokumentare. Der dann bald folgende Abriss des Bunkers stellte sich unkritisch dar, wenig Stahl und eine nicht so harte Zementmischung machten den Abriss zu einer Routineangelegenheit.

Bilder und ein Video zu diesem Bauwerk finden Sie hier: mehr...

 

 

Bismarck, in Augenhöhe mit dem alternden Kanzler

Bei allerbestem Wetter bekamen wir die seltene Gelegenheit dem Eisernen Kanzler direkt in die Augen zu blicken.

Obwohl der Innenraum des Denkmals nicht betreten werden durfte, ein Gutachten attestierte lebensbedrohliche Zustände, wird das Bauwerk regelmäßig von Seiten der zuständigen Behörden überwacht und auf weitere Schäden beobachtet. Bei einer solchen Kontrolle durften Kolleginnen und Kollegen des Vereins einen näheren Blick auf den Kanzler werfen und das aus einer ungewöhnlichen Perspektive.

Optisch kann man dem Denkmal durchaus einen guten Zustand attestieren, lediglich ein bisschen Regenwasser dringt in den oberen Körperbereich des Götzenbildes ein und im Bereich des Schritts wieder aus, medizinisch würde man das als Inkontinenz bezeichnen. Überraschend war aber ein ungewöhnlicher Fund in dieser Höhe. Wagemutige Kletterer haben dem Kanzler einen sogenannten Geocache um den Schwertknauf gehängt....

Zum Tag des offenen Denkmals im Jahre 2016 gab es dann eine positive Entwicklung, über 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger durften einen Blick ins Bauwerk werfen, die Lebensgefahr wurde offensichtlich gebannt. Diese Tatsache ist natürlich ein Glücksfall und somit wird eine umfangreiche Dokumentation des Innenraums durch Kolleginnen und Kollegen des Vereins noch in diesem Jahr erfolgen.

 

Bismarck1

 

Bismarck2

 

Bismarck3

 

Bismarck4

 

Aufnahmen: Timo Schiel

 

Das Ende der Hochbunker in Wandsbek

Wandsbek ist aus luftschutztechnischer Sicht einer der überschaubareren Stadtteile gewesen. Das lag nicht an der Zahl der im Zweiten Weltkrieg entstandenen Bunker, eher an der Verfahrensweise während der Zeit des Kalten Krieges. Viele der bestehenden Bunker wurden nicht oder nur rudimentär umgebaut, entsprachen damit gerade mal dem Grundschutz und waren für einen maximal 48-stündigen Aufenthalt gedacht. Deshalb war die Entwidmung und Verwertung der Bauwerke für den Immobilienmarkt besonders interessant und einfach durchführbar.

Als Beispiel sehen wir hier den Abbruch bzw. die Entkernung der Bunker Eilbeker Weg 96 und 124, Börnestraße und Papenstraße.

 

EilbekerWeg96

 

EilbekerWeg126

 

Boernestrasse

 

Papenstrasse

 

Aufnahme: R. Rossig

 

Die Grotte, überirdische Darstellung einer unterirdischen Angelegenheit

Durch einen Zeitungsartikel wurden wir auf ein echtes Kuriosum aufmerksam, eine künstliche Grotte als Ziergegenstand eines ehemaligen Gewächshauses. Bei dem geplanten Abriss eines ehemaligen Geschäftshauses wurde im Gartenbereich eine stark eingewachsene, künstliche Felskonstruktion aus Stroh und Zementmörtel entdeckt. Rinnenförmige Ausbuchtungen und eine Art Bachlauf ließen auf einen künstlichen Wasserfall schließen. Ein seltenes Zeugnis der Ziergartenkultur des ausgehenden 19ten Jahrhunderts. Der Bauherr will die Grotte glücklicherweise erhalten.

 

Grotte1

 

Grotte2

 

Grotte3

 

Grotte4

 

Aufnahme: R. Rossig

 

Hamburg einmal oberirdisch - der ehemalige "Gloria-Mehl"-Speicher

Während einer Bunkertour wurden wir nach der oberirdischen Kompetenz des Vereins befragt, ein Nachbar aus Hammerbrook hat einen alten Getreidespeicher auf dem Grundstück und leider keine Informationen zu dessen Geschichte bekommen, nun galt es erstmal zu forschen. Die Geschichte beginnt quasi mit der Urbanisierung Hammerbrooks und, interessanter Weise, mit dem Umzug der Firma in dessen Besitz das Grundstück heute wieder ist. Der Speicher wurde dann Mitte der 20er-Jahre für eine Hamburger Großbäckerei erbaut und diente dieser als Lager- und Produktionsfläche für die Grundversorgung mit Mehl. Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen Deutschlands kam der Speicher unter staatliche Kontrolle, wurde aber von der Bäckerei weiterhin genutzt. Durch die starken Zerstörungen des östlichen Stadtgebietes wurde auch das Bäckereiunternehmen empfindlich getroffen, an den Erfolg der Vorkriegszeit konnte nicht mehr angeknüpft werden und so kam es Anfang der 50er-Jahre zur Insolvenz. Der Inhaber der Marke "Gloria-Mehl", eine Müllerfamilie aus Bad Oldesloe, wurde neuer Besitzer des Speichers und produzierte hier zumindestens wieder Mehl. Durch den Preisverfall des staubigen Grundstoffs wurde die Produktion jedoch in den 60er-Jahren unrentabel und die Familie nutzte den Immobilienwert des Grundstücks. Teile des Grundstücks wurden umgebaut und eine Umnutzung beantragt, zukünftig sollte es hier um Automobile gehen. Kontruktionsbedingt nimmt der Speicher nur einen kleinen Platz ein, er störte somit die zukünftige Nutzung kaum. Dank dieser Tatsache ist die technische Ausrüstung des Speichers noch heute komplett erhalten, er ist ein spannendes Zeugnis der Arbeitsverhältnisse, -techniken und -bedingungen der 20er-Jahre und der Lagerung und Bearbeitung von Getreide.

Der Speicher ist an Tagen des offenen Denkmals zu besichtigen: mehr...

 

 

Unsere neue Medienseite

Wichtiger Auftrag und satzungsmäßige Aufgabe des Vereins ist die Dokumentation, ein volles Vereinsarchiv ist wertlos wenn sich niemand daran erfreuen kann. Neben der Archivierung von Dokumenten ist natürlich auch die bildliche Darstellung von Gebäuden ein zentraler Punkt unserer Vereinsarbeit. Gerade wegen der noch immer in Hamburg vorherrschenden und nur zu leichtfertig praktizierten Abrissmentalität sind viele Bauwerke bis heute unwiederbringlich verloren gegangen, nicht nur der Zweite Weltkrieg hat dazu beigetragen, die größten Zerstörungen fanden hinterher statt ! Auf unserer Medienseite finden Sie Fotos, Videos, Planausschnitte und 360°-Aufnahmen, manchmal sogar einen virtuellen Rundgang. Rückstandlos beseitigte Bauwerke wie der alte Röhrenbunker unter dem ZOB in Bergedorf, der OP-Bunker Barmbek oder der Eiskeller Borgfelde leben somit wenigstens virtuell weiter mehr...

 

Literaturtipp: Hamburgs Bunker

Mit großer Unterstützung durch Vereinskollegen ist ein kleines Büchlein über die Hamburger Bunker entstanden. Es soll einen kompakten Überblick über die hanseatische Bunkerlandschaft geben und, mit dem Format und Inhalt eines Reiseführers ausgestattet, die Leserinnen und Leser zu eigenen Bunkertouren anregen. Erhältlich ist das Buch im gut sortierten Handel unter der ISBN 978-3-86153-799-1, direkt beim Verlag oder auch im Online-Handel zum Preis von 5.- €.

Grotte4

 

Die letzte Führung des Jahres:

Fallen leider aus, das Rundgangspersonal ist erkrankt bzw. im verdienten Weihnachtsurlaub.

Wir bitte diese Unannehmlichkeit zu entschuldigen !

Die Temperaturen im Bunker sind niedrig und das Infektionsrisiko für sie wäre einfach zu hoch....

 

 

Weitere Infos: mehr...

 

 

Besinnliche und friedvolle Festtage wünscht das Team von unter-hamburg e.V.

 

uhweihnachtsgruss

 

Mitarbeit bei „unter hamburg e.V.“

 

Sie haben historisches Interesse, Spaß im Umgang mit Menschen und interessieren sich besonders für Gebäude im Untergrund und ihre Geschichte? Wie man aktiv im Verein „unter hamburg“ mitmachen kann, erläutert wir auf unserer Homepage auf der Seite >mitarbeit<. mehr...

Interesse an einer Mitgliedschaft? Melden Sie sich einfach unter Tel. 040 / 682 67 560.

 

Informationen über "unter hamburg e.V."

 

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